Ein Raum, der sofort entschleunigt
Denn kaum betritt man die Räume mitten in der Hofer Altstadt, passiert etwas Seltsames: Das Handy wird unwichtig. Der Blick wandert zu den Materialien, zu alten Kisten voller Stoffe, Garne und Werkzeuge. Über dem langen Holztisch hängen schwarze Stahllampen wie aus einer alten Werkstattromantik. Zwei Stufen hoch – und plötzlich ist man in einer anderen Welt. Einer Welt, in der Menschen gemeinsam schaffen, ausprobieren, lachen und einfach eine gute Zeit haben.
Genau dort fand nun die Urkundenübergabe des bayerischen Weiterbildungskurses „Kultur, Vielfalt und Älterwerden“ statt.
Urkundenübergabe in der DonnerstagsWerkstatt Hof
Gemeinsam besuchten Ute Hopperdietzel (Fachstelle für Demenz und Pflege Oberfranken) sowie Sabine Distler (Curatorium Altern gestalten) die DonnerstagsWerkstatt e.V. in Hof.
Empfangen wurden sie von Anja Muschik-Motzkus und Ines Schwotzer, die erfolgreich am Weiterbildungskurs teilgenommen haben. Die beiden Künstlerinnen möchten ihre bisherigen Angebote künftig stärker auch für ältere Menschen mit und ohne Demenz öffnen. Dabei war schnell spürbar: Hier geht es nicht um klassische „Beschäftigung“, sondern um echte kreative Begegnungen.
Wenn plötzlich vom „Käfersticken“ die Rede ist
Und dann fiel plötzlich das Wort „Käfersticken“. Wer jetzt an kleine Insekten mit Nadel und Faden denkt, liegt zumindest nicht ganz falsch. Denn Ines Schwotzer zeigte eindrucksvoll, wie traditionelle textile Techniken heute modern und spielerisch interpretiert werden können.
Klöppeln, Sticken, textile Gestaltung – vieles davon erlebt gerade im höheren Alter eine neue Bedeutung. Vielleicht, weil solche Arbeiten entschleunigen. Vielleicht aber auch, weil Hände oft Dinge erinnern, die Worte längst vergessen haben. Besonders spannend: Erst vor kurzem leitete Ines Schwotzer einen Klöppelkurs in einer Seniorenbegegnungsstätte und konnte dort bereits erste Erfahrungen mit älteren Teilnehmenden sammeln.
Kunst ohne Leistungsdruck
Während Ines Schwotzer mit textilen Techniken arbeitet, bringt Anja Muschik-Motzkus ihre Erfahrung als Grafikerin ein. Unter ihrer Anleitung können unter anderem künstlerische Drucktechniken wie zum Beispiel Sonnendruck, Pflanzendruck oder Linolschnitt ausgeführt werden.
Im Gespräch wurde schnell deutlich, worum es beiden wirklich geht:
Nicht darum, perfekte Ergebnisse zu produzieren. Nicht darum, Leistung zu zeigen. Sondern darum, gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen.
Menschen sollen Materialien entdecken, Neues ausprobieren und miteinander kreativ werden – fernab von Smartphones, Dauerbeschallung und digitaler Ablenkung. Und genau dafür scheint die DonnerstagsWerkstatt wie geschaffen.
Ideen nach der Urkundenübergabe in der DonnerstagsWerkstatt Hof
Natürlich wurden auch Herausforderungen angesprochen. So inspirierend die Räume mitten in Hof sind – die fehlende Barrierefreiheit bleibt ein wichtiges Thema.
Gleichzeitig entstanden aber direkt neue Ideen und Perspektiven. Gemeinsam wurde überlegt, welche lokalen Netzwerke hilfreich sein könnten und wie zukünftige Angebote sichtbar gemacht werden können. Ute Hopperdietzel stellte dabei Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit lokalen Seniorenhilfen vor und bot Unterstützung an, um die DonnerstagsWerkstatt in Hof noch stärker mit passenden Zielgruppen zu vernetzen.
Und wie so oft entstehen die besten Ideen nicht am Schreibtisch – sondern direkt am großen Werkstatttisch.
Fazit: Ein Ort zum Schaffen, Reden und Ausprobieren
Am Ende blieb vor allem ein Eindruck hängen:
Die DonnerstagsWerkstatt ist kein Ort, an dem alles perfekt sein muss.
Es ist ein Ort, an dem Menschen gemeinsam kreativ werden dürfen.
Ein Ort zum Ausprobieren. Zum Reden. Zum Werkeln.
Und manchmal eben auch zum Käfersticken.
Oder anders gesagt:
Ein Ort, an dem altes Handwerk und Kunst plötzlich ziemlich zeitgemäß wirkt.
Im Rahmen der Qualifizierungsmaßnahme erhielten Anja Muschik-Motzkus und Ines Schwotzer zudem eine Schulung zum/zur Demenz Partner*in, die von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz (DAlzG) im Rahmen der Initiative Demenz Partner entwickelt wurde.