Kunst & Kultur, Wissenschaft & Generationen

Wo Wissen wächst – Urkundenübergabe im Ökologisch-Botanischen Garten Bayreuth

Ein Garten ist weit mehr als ein Ort für Pflanzen. Er kann Erinnerungen wecken, Menschen miteinander ins Gespräch bringen, Wissen weitergeben und neue Begegnungen ermöglichen. Wie vielfältig das gerade auch für ältere Menschen gelingen kann, zeigt der Ökologisch-Botanische Garten der Universität Bayreuth.

Im Bild von links nach rechts: Georg Weigl (Curatorium Altern gestalten), Dr. Jana Messinger (ÖBG), Susanne Eisenwiener (ÖBG, Gartenpädagogin), Ute Hopperdietzel (Fachstelle für Demenz und Pflege Oberfranken).

Im Rahmen der Weiterbildung „Kultur, Vielfalt & Älterwerden“ wurden Dr. Jana Messinger und Susanne Eisenwiener für ihre erfolgreiche Teilnahme ausgezeichnet. Zur Urkundenübergabe kamen Ute Hopperdietzel von der Fachstelle für Demenz und Pflege Oberfranken und Georg Weigl von Curatorium Altern gestalten nach Bayreuth.

Mit dabei waren auch Dr. Lena Muffler-Weigel, Leitende Direktorin des Ökologisch-Botanischen Gartens, sowie Dr. Marianne Lauerer, Prof. Dr. Elisabeth Obermaier, PD Dr. Ulrich Meve, und Dr. Birgit Thies. Gemeinsam nahm sich die Runde zunächst Zeit für einen Austausch über die Weiterbildung, die daraus entstandenen Impulse und die vielfältigen Angebote, die im ÖBG inzwischen für ältere Menschen entwickelt, umgesetzt und erprobt werden.

Lebenslanges Lernen mitten im Grünen

Mit dem Projekt „Lebenslanges Lernen im ÖBG“, das von der Hans und Emma Nützel Altenstiftung seit Oktober 2025 finanziert wird, rückt der Garten ältere Menschen ganz bewusst in den Mittelpunkt seiner Bildungsarbeit. Dabei geht es nicht allein darum, neue Angebote für Seniorinnen und Senioren zu schaffen. Vielmehr werden sie als Menschen mit eigenen Erfahrungen, Kompetenzen, Interessen und Wissen angesprochen – und als aktive Mitgestaltende.

Wie groß das Interesse daran ist, zeigte sich bereits bei einer Weiterbildung zum Globalen Lernen und fairen Handel. Auch eine Zukunftswerkstatt wurde genutzt, um ältere Menschen selbst danach zu fragen, was sie sich von Angeboten im Garten wünschen und welche Hürden einer Teilnahme entgegenstehen.

Dabei ging es um ganz praktische Dinge: Wie lang ist der Weg? Gibt es Sitzgelegenheiten? Wie anspruchsvoll ist eine Veranstaltung? Aber auch Wünsche nach neuen Formaten wurden deutlich – etwa nach generationenübergreifenden Angeboten für Großeltern und Enkelkinder.

So entsteht Schritt für Schritt eine Bildungsarbeit, die nicht über die Köpfe der Zielgruppe hinweg plant, sondern ihre Perspektiven einbezieht.

Plaudern, entdecken und miteinander unterwegs sein

Ein Beispiel dafür sind die Plauderrunden für Seniorinnen und Senioren. Bei kleinen Rundgängen durch den Garten verbinden sich Naturerlebnis, Bewegung, botanisches Wissen und Gespräch.

Pflanzen geben dabei immer wieder den Anstoß, miteinander ins Erzählen zu kommen. Wissen wird geteilt, Erinnerungen werden wach und aus einem gemeinsamen Spaziergang kann schnell eine lebendige Gesprächsrunde entstehen.

Genau hier bringt auch Susanne Eisenwiener ihre vielfältigen Erfahrungen ein. Als zertifizierte Umweltbildungsreferentin unterstützt sie den Ökologisch-Botanischen Garten ehrenamtlich als Gartenpädagogin.
Zu ihren Schwerpunkten gehören Natur- und Kräuterführungen sowie Streuobstprojekte für Seniorinnen und Senioren. Unter anderem begleitet und gestaltet sie die Plauderrunden im Garten.

Ihre Motivation ist dabei eine sehr persönliche: Immer wieder erlebt sie, wie schwer es gerade für ältere Menschen werden kann, Natur zu erleben und am gesellschaftlichen Leben außerhalb der eigenen vier Wände teilzunehmen. Mit ihren Angeboten möchte sie genau hier neue Möglichkeiten eröffnen.

Pflanzen als Türöffner für Erinnerungen

Auch für Menschen mit Demenz bietet der Garten besondere Möglichkeiten. Düfte, Farben, vertraute Pflanzen, Kräuter oder alte Gartengeschichten können Zugänge schaffen, für die es nicht viele Worte braucht.

In den Gesprächen während und nach der Weiterbildung entstanden deshalb auch Ideen für Angebote für Menschen mit leichter Demenz und ihre Angehörigen. Lieder, Sinneserfahrungen, bekannte Pflanzen und persönliche Erinnerungen können dabei ebenso eine Rolle spielen wie das gemeinsame Unterwegssein im Grünen.

Die besondere Stärke solcher Formate liegt gerade darin, Begegnung nicht über eine Diagnose zu definieren. Der Garten schafft einen selbstverständlichen gemeinsamen Bezugspunkt: Man schaut, riecht, erinnert sich, entdeckt etwas Neues – und kommt darüber miteinander ins Gespräch.

Erfahrung weitergeben und Neues gestalten

Dr. Jana Messinger koordiniert die Bildungsarbeit für ältere Menschen im Ökologisch-Botanischen Garten. Ein wichtiger Gedanke dabei ist, Seniorinnen und Senioren nicht nur als Teilnehmende zu sehen.

Viele bringen umfangreiches Wissen, Lebenserfahrung und den Wunsch mit, sich auch nach dem Berufsleben weiterhin einzubringen. Möglichkeiten für ehrenamtliches Engagement, das Weitergeben von Wissen oder die Mitarbeit an neuen Angeboten gehören deshalb ebenfalls zum Konzept.

Gerade darin zeigt sich ein modernes Verständnis des Älterwerdens: Es geht nicht darum, ältere Menschen lediglich zu beschäftigen, sondern Räume zu schaffen, in denen sie lernen, beitragen, gestalten und anderen begegnen können.

Dr. Jana Messinger und Susanne Eisenwiener hatten die Weiterbildung unabhängig voneinander absolviert. Im ÖBG treffen nun unterschiedliche Erfahrungen, fachliche Hintergründe und Ideen zusammen – und werden zu gemeinsamen Angeboten weiterentwickelt.

Urkunden zwischen Blumen und Blüten

Nach dem gemeinsamen Austausch ging es schließlich hinaus in den Garten.

Vor der wunderbaren Kulisse der blühenden Prärie überreichten Ute Hopperdietzel und Georg Weigl die Urkunden an Dr. Jana Messinger und Susanne Eisenwiener.

Ein schöner Ort für diesen Abschluss – und zugleich ein passendes Bild für das, was im Ökologisch-Botanischen Garten gerade wächst: neue Ideen, neue Formen der Begegnung und Angebote, die zeigen, wie selbstverständlich Naturerleben, Bildung, Teilhabe und Älterwerden miteinander verbunden werden können. Mit Dr. Jana Messinger und Susanne Eisenwiener gewinnt auch das bayerische Netzwerk Dialog: Kultur & Demenz zwei engagierte Partnerinnen, die Natur und Umweltbildung als wertvolle Erfahrungsräume für ältere Menschen weiter öffnen

Im Rahmen der Qualifizierungsmaßnahme erhielten Dr. Jana Messinger und Susanne Eisenwiener zudem eine Schulung zum/zur Demenz Partner*in, die von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz (DAlzG) im Rahmen der Initiative Demenz Partner entwickelt wurde.


Kontakt & weitere Informationen

Ökologisch Botanischer Garten
Universität Bayreuth
95440 Bayreuth

Dr. Jana Messinger

Mobiltelefon (0)921 / 55-2098
Jana.Messinger@uni-bayreuth.de

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